Was ist die Aktion Noteingang?

icon mit laufender person

Die Aktion Noteingang
… schafft Schutzräume für diejenigen, die sie brauchen.
… setzt ein Zeichen im Kiez für Unterstützung und Solidarität statt Hass und Ausgrenzung.
… gibt Teilnehmenden Handlungssicherheit in Krisensituationen und unterstützt Zivilcourage.

In Berlin kommt es im öffentlichen Raum und im öffentlichen Nahverkehr trotz aller bereits vorhandenen Präventions- und Gewaltschutzprojekten immer noch zu einer steigenden Anzahl von Angriffen und Bedrohungen. Jeden Tag erleben Personen menschenverachtende Gewalt, Bedrohungen und Ausgrenzung. Viele Betroffene berichten, dass die fehlende Anteilnahme oder Hilfe durch Umstehende und Passant*innen eine der schlimmsten und besonders traumatisierenden Erfahrungen bei Hassgewalt und Ausgrenzung ist.

Die Aktion Noteingang setzt genau an diesem Punkt an: Sie schafft Schutzräume für Betroffene im Stadtraum und macht Solidarität sichtbar. Außerdem machen wir Diskriminierung und Gewalt in der Öffentlichkeit zum Thema. Dafür bringen Läden, Cafés und andere Einrichtungen Aufkleber mit der Aufschrift „Noteingang“ im Eingangsbereich an und zeigen so: Wir bieten Schutz bei Gewalt und Ausgrenzung. Sie senden damit an (potentiell) Betroffene die ermutigende Botschaft: Wir stehen an eurer Seite!

Eine Vielzahl solcher Noteingänge in der Nachbarschaft schafft Schutzräume und erhöht die Bewegungsfreiheit für alle. Zudem werden die Mitarbeitenden der Noteingänge durch Informations- und Schulungsangebote sensibilisiert und ermächtigt, schnell und kompetent zu handeln. Noteingänge werden darauf vorbereitet, in einem Notfall helfen zu können und sensibel mit den Betroffenen umzugehen.

Die Aktion Noteingang in Berlin

icon mit turm

In Berlin besteht die Aktion Noteingang aus einem starken und vielfältigen Netzwerk. Die jeweiligen Akteure setzen die Aktion in ihren Bezirken und Sozialräumen um. Sie sind dort gut vernetzt und stehen in direktem Austausch mit den Noteingängen. Dadurch entsteht eine besondere sozialräumliche Nähe, die eine wichtige Grundlage für die Umsetzung der Aktion vor Ort bildet.

In Bezirken, in denen es spezialisierte Netzwerkakteure gibt, übernehmen diese in der Regel auch die Durchführung von Schulungen und Workshops. Dort, wo es bislang keine entsprechenden Anlaufstellen gibt, ist die Amadeu Antonio Stiftung Ansprechpartner*in und unterstützt bei Fragen rund um die Aktion Noteingang.

Berlinweit ist die Amadeu Antonio Stiftung für das Netzwerk sowie für alle übergeordneten Themen und Fragen ansprechbar. Interessierte können sich entweder direkt an die jeweiligen Anlaufstellen in den Bezirken wenden oder die berlinweite Koordinationsstelle unter info@aktion-noteingang-berlin.de kontaktieren.

In der Regel empfehlen wir, vor der Kennzeichnung einer Lokalität als Noteingang an einem halbtägigen Workshop teilzunehmen. In diesem werden die wichtigsten Hintergründe der Aktion Noteingang Berlin vermittelt und konkrete Handlungsoptionen für den Umgang mit diskriminierenden und menschenfeindlichen Situationen vorgestellt. So erhalten die teilnehmenden Einrichtungen die notwendigen Informationen und Handlungssicherheit, um die Aktion Noteingang vor Ort gut umzusetzen. 

Warum an der Aktion Noteingang teilnehmen?

Für einen sichereren und 
lebenswerten Kiez für alle!

Die Verantwortung für eine sichere Stadt liegt bei uns allen. Die Aktion Noteingang ermöglicht großen und kleinen Unternehmen, Gewerbetreibenden und sozialen Einrichtungen, Ihren Teil zu einem sichereren und lebenswerteren Kiez beizutragen!

(K)eine 
Selbstverständlichkeit!

So selbstverständlich, wie es sein sollte, Menschen in Notsituationen zu helfen, ist es leider nicht. Signalisiere deshalb, dass Ihr aktiv Hilfe und einen Schutzraum anbietet und werbe dadurch in der Öffentlichkeit für Zivilcourage.

icon mit herz

Gewalt und Ausgrenzung 
zurückdrängen!

Ein Kiez, der sich aktiv und öffentlich gegen Hassgewalt und Ausgrenzung ausspricht, signalisiert (potentiellen) Täter*innen, dass sie auf Widerspruch stoßen und kann so Übergriffen vorbeugen.
Je mehr Lokale, Geschäfte und Einrichtungen an der Aktion teilnehmen, desto größer werden die Unterstützungsnetzwerke und desto stärker ist das ermutigende Signal der Solidarität an (potentiell) Betroffene.

Zur Stärkung der demokratischen Zivilgesellschaft!

Die Aktion Noteingang schafft nicht nur eine Hilfestellung für Betroffene von Hassgewalt, sondern vernetzt auch die teilnehmenden Noteingänge. Sie fördert eine aktive Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt und Ausgrenzung und zeigt Handlungsmöglichkeiten für ein gemeinsames Engagement auf.

Kurze Geschichte der Aktion Noteingang

icon mit lupe

In der Zeit der rechtsextremen Ausschreitungen der 1990er Jahre nahm rechte Gewalt gegen alle, die nicht in das Weltbild von Neonazis und Rechtsradikalen passten, in vielen deutschen Bundesländern, auch in Berlin und Brandenburg, enorm zu. Um dieser Gewalt zu begegnen, wurde die Aktion Noteingang durch antirassistische und antifaschistische Initiativen ins Leben gerufen. Ziel der Aktion war es, die Zivilgesellschaft zu aktiver Zivilcourage gegen rechte Angriffe zu animieren. Besonders bekannt wurde die Aktion Noteingang im brandenburgischen Bernau. Jugendliche hatten die Idee 1997 in Berlin kennengelernt und in Ihrer Stadt umgesetzt. Zwei Jahre später beteiligten sich an dem brandenburgischen Netzwerk der Aktion Noteingang regionale Bündnisse, Gruppen und Einzelpersonen aus mehr als 13 Städten. Im Jahr 2000 erhielten die Bernauer Jugendlichen stellvertretend für die Aktion Noteingang den Aachener Friedenspreis.

Für Viele gehört Ausgrenzung und menschenverachtende Gewalt weiter zum Alltag. Die dokumentierten Fälle von Diskriminierung und extrem rechter Gewalt beim Berliner Register steigen seit Jahren stetig. Häufig bleiben die Vorfälle weitgehend unsichtbar für nicht direkt Betroffene. Denn die Täter*innen entsprechen nicht unbedingt dem Klischee von bestiefelten Neonazis, sondern kommen aus allen Teilen der Gesellschaft. Nicht zuletzt die Terroranschläge von München, Halle und Hanau, der Mord an Walter Lübcke und das Attentat auf den Berliner CSD machen deutlich, wie tief menschenverachtende Einstellungen und Abwertungsideologien in unserer Gesellschaft verankert sind und welche massiven Auswirkungen sie haben können. Eine starke Zivilgesellschaft und solidarische Unternehmer*innen sind eine wichtige Grundlage zum Schutz von Betroffenen.

Aktuell gibt es die Aktion Noteingang in mehreren Berliner Bezirken, aber auch in anderen Städten Deutschlands. Unser Bündnis Aktion Noteingang Berlin setzt sich dafür ein, die Aktion in Berlin über weitere Bezirke und Kieze auszuweiten und tragfähige Strukturen zu schaffen.